Was deutschsprachige Medien zur Ukraine berichteten und was davon bei Facebook diskutiert wurde

Deutschsprachigen Medien berichteten in der vergangenen Woche hauptsächlich zwei Themen aus der Ukraine: einerseits die Kommunalwahlen, andererseits das deutsch-ukrainische Wirtschaftstreffen in Berlin. Es gab aber auch andere Nachrichten aus der Ukraine.

Am Montag berichtete die Hersfelder Zeitung, dass eine Delegation des Christlichen Hilfsdiensts Hilfspakete nach Osteuropa liefert, unter anderem in die Ukraine.

Der Tagesspiegel berichtete am Montag über eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, dass sich immer weniger Ukrainer eine Annäherung an Russland, dafür eine an den Westen wünschen.

Bei der Deutschen Welle erschien am Montag ein Artikel über das NATO-Manöver in Mittelmeerraum. Am Mittwoch berichtete dann die Tagesschau auch über das NATO-Manöver, wobei es in dem Beitrag heißt, dass Kritiker darin eine unnötige Provokation gegen Russland sehen.

Am Dienstag erschien in der FAZ ein Interview mit Arsenij Jazenjuk, in dem er sagte, dass sein Land noch nicht genug gegen Korruption vorgeht und er für die Justiz eine radikale Lösung vorschlägt, bei der es um den Austausch aller 9.000 Richter geht.

Das Deutschlandradio Kultur berichtete über den Roman „Mesopotamien“ von Serhij Zhada, bei dem er den Kampf um Liebe und ums Überleben in einer vom Bürgerkrieg gelähmten Ukraine geht.

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am Dienstag einen Artikel, in dem die Ukraine als marodes Land darstellt wird, was das Ergebnis von Gier nach Geldund Einfluss sei. Um dies zu überwinden, wolle die ukrainische Regierung der Europäischen Union beitreten. Sputnik griff das Thema auf und meinte, dass die Ukraine von der EU immer mehr Geld wolle, während die EU damit beschäftig sei, nicht unterzugehen.

Die Deutsche Welle brachte am Dienstag einen Artikel über die Separatistengebiete, in dem beschrieben wurde, dass der Osten des Landes immer mehr nach Russland abdriftet – durch die russische Währung, russische Schulbücher und möglicherweise auch mit russischen Pässen.

Die Tagesschau berichtete am Dienstag über die Ostukraine. Die Menschen seien dort müde und enttäuscht. Sie hätten von einem Anschluss an Russland geträumt, doch davon rede heute kaum mehr jemand.

Der ORF brachte am Dienstag eine Meldung, dass die OSZE den fehlenden Zugang für Hilfsorganisationen zu den von pro-russischen Separatisten gehaltenen Gebieten in der Ostukraine beklagt, und dass 16.000 Tonnen Hilfsgüter feststecken. Die Zeit veröffentlichte am Freitag eine AFP-Meldung, dass „Ärzte ohne Grenzen“ nicht mehr in Donezk helfen dürfen. Am Samstag brachte die Wiener Zeitung einen eigenen Artikel dazu.

Stephan Stuchlik kommentierte in einem Video für den Westdeutschen Rundfunk über eine Wertefrage und die Aufhebung der Sanktionen gegenüber Russland, weil es im Osten der Ukraine relativ ruhig sei. (Video)

Der Petersburger Dialog fand ab Mittwoch in Potsdam statt. Darüber berichteten die Potsdamer Neueste Nachrichten. Obwohl es sich um ein Forum für den Dialog zwischen Russland und Deutschland handelt, so in dem Artikel, fehle auf der Tagesordnung die aggressive Politik in Bezug auf die Ukraine, bzw. etwas zur völkerrechtswidrigen Annexion der Krim.

Der Tagesspiegel veröffentlichte am Mittwoch dazu auch einen Artikel von Marieluise Beck, der Osteuropa-Expertin bei den Grünen, die feststellte, dass Russland gar kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Westen habe. Sie wies auf das Budapester Memorandum hin, auf die große Flüchtlingszahl in der Ukraine und dass Russland sich nicht als Konfliktpartei in der Ukraine sehe. Deshalb komme eine Lockerung der Sanktionen nicht in Frage. Im Deutschlandfunk gab es am Freitag ein Interview mit Marieluise Beck zum Petersburger Dialog, in dem sie sich für trilaterale Gespräche mit Russland und der Ukraine aussprach.

Die Südwestpresse brachte am Donnerstag ein Porträt über die Krim, in dem die Halbinsel als „im Dornröschenschlaf“ beschrieben wurde, weil der Tourismus schwach sei, kaum Handel stattfinden würde und Geld für Investitionen fehle.

Die ARD berichtete am Donnerstag, dass die pro-russischen Separatisten in den Gebieten von Lugansk und Donezk ihre Militärtechnik von der Front abzogen. Auch die taz schrieb am Mittwoch über die Waffenruhe in der Ostukraine und über den Alltag in Donezk.

Frank Hofmann berichtete am Donnerstag für die Deutsche Welle, dass man sich in Kiew bewusst sei, dass die Ukraine westliche Hilfe benötigt, um aus der Krise zu kommen. Deshalb werbe das Land in Berlin um Investitionen. Allerdings würden Oligarchen Widerstand leisten.

Der Standard schrieb am Donnerstag etwas zur Biennale in Kiew, die trotz aller Widerstände stattfand und durch Kunst den Konflikt in der Ukraine darstellt. Die Welt brachte am Samstag auch einen Artikel dazu.

Die Huffington Post brachte am Donnerstag einen Artikel, in dem es heißt, dass sich Putins Ukraine-Traum in einen Albtraum verwandelt habe.

Der Standard berichtete am Freitag über Kolomojski und seine Rolle in Dnepropetrowsk. Selbst nach seinem Gastspiel als Gouverneur ist er immer noch sehr wichtig.

Florian Willershausen berichtete am Freitag für die Wirtschaftswoche, dass sich die ukrainische Wirtschaft erstaunlich stabil entwickelt, aber dass das Land dringend ausländische Investoren braucht, um Jobs zu schaffen. In einem zweiten Artikel schrieb er, dass die Regierung in Kiew versucht, die korrupte Verwaltung zu säubern und Reformen im Land voranzubringen. Darauf folgt ein Interview mit dem Infrastruktur-Minister Pivovarsky.

Florian Kellermann berichtete am Freitag für den Deutschlandfunk über die Transkarpatien zu den anstehenden Wahlen und die dortige ungarische Minderheit.

Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete am Freitag über die Ukraine als unermessliche Kornkammer und etwas Geschichte über die Kämpfe um die Schwarzböden.

Die Bild-Zeitung brachte am Freitag einen Vergleich der Schauplätze auf dem Maidan während der Revolution und heute, sowie Geschichten von Menschen, die dort waren. In einem weiteren Artikel schrieb die Bild-Zeitung über das große Potential der Ukraine. Und in einem dritten Beitrag in der Bild-Zeitung ging es um eine jüdische Aktivistin auf dem Maidan, die stellvertretend für viele tausend junge Ukrainer steht, um Veränderungen im Land herbeizuführen.

Auf der Facebook-Seite der Bundesregierung wurde am Freitag ein Kurzbericht zu dem Wirtschaftsgipfel veröffentlicht; auf der Website der Bundeskanzlerin gab es eine Mitschrift der Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und dem ukrainischen Ministerpräsidenten Jazenjuk, sowie ein Video; und auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Am Freitag gab es ein Video-Interview auf N-TV mit Arsenij Jazenjuk, in dem er über das gestörte Verhältnis zu Russland sprach, sowie über die Wirtschaft seines Landes und die Korruptionsbekämpfung.

Die Nordwest-Zeitung schrieb am Samstag über den Wirtschaftsgipfel. Darin heißt es, dass sich die Ukraine aufgrund des Konflikts mit Russland in einer tiefen Wirtschaftskrise befindet und zudem ein strenges Reformpaket umsetzen muss. Auf der einen Seite werden von Kanzlerin Merkel und der deutschen Wirtschaft erste Erfolge gesehen, aber auch weitere Schritte angemahnt. Ähnliches fand sich bei der Tiroler Tageszeitung und der Deutschen Welle (Video). Das Hamburger Abendblatt schrieb auch etwas dazu, wobei es dort hieß, dass Deutschland Unterstützung zusagte. Die Frankfurter Rundschau schrieb dazu, dass das Freihandelsabkommen zwischen der Ukraine und EU ab 1. Januar 2016 in Kraft tritt.

Die Neue Zürcher Zeitung sprach mit Refat Tschubarow über die Krimtataren und weshalb sein Volk in einer demokratischen Ukraine leben will.

Das Handelsblatt schrieb am Samstag über Vitali Klitschko, der vom Sportsmann zum Bürgermeister von Kiew wechselte und dort nun mit den Alltagsproblemen kämpft. Er hoffe am Sonntag auf einen Wahlerfolg. Spiegel-Online ging auch auf Klitschko ein und meinte, dass er in undurchsichtige Seilschaften verstrickt sei.

Am Samstag nannte die Deutsche Welle die Kommunalwahlen einen weiteren Test für die Ukraine, da die Unzufriedenheit der Bürger wachse. Friedemann Kohler schrieb für die Mittelbayerische auch über die Kommunalwahlen und stellte die Frage, welchen Weg die Millionenstädte wie Kiew oder Odessa einschlagen werden. Für Der Standard war der Wahlkampf ebenfalls Thema und dass die ukrainische Regierung vor massiven Problemen stehe, aber nicht nur wegen des Kriegs im Osten.

Die taz berichtete am Samstag über kostenlose Gräber als Wahlgeschenke und dass sich in Dnepropetrowsk mehrere Kandidaten um das Bürgermeisteramt bewerben. In der FAZ schrieb Reinhard Vester einen längeren Artikel über den Wahlkampf in Poltawa und über fragwürdige Kandidaten. Für den ORF waren am Samstag die Kommunalwahlen ein Stabilitätstest.

Die FAZ meldete am Sonntag, dass in Mariupol die Kommunalwahlen ausfallen, weil Stimmzettel fehlten. Auch der SRF (Schweiz) berichtete über die Wahlen und dass Poroschenko im Umfragetief sei. Die Zeit nannte die Kommunalwahlen einen Stimmungstest für Poroschenko und dass sie unter Schwierigkeiten begannen, bzw. von den Rebellen im Osten boykottiert würden.

Der Mitteldeutsche Rundfunk mischte in den Bericht über die Kommunalwahlen das Engagement einer Sächsin, die sich in Odessa um sozialschwache Jugendliche kümmert.

Am Sonntag Abend wurde dann zum Beispiel von der FAZ, von N-TV und der Der Standard erste Ergebnisse berichtet, wobei es hieß, dass Klitschko trotz guten Ergebnissen in eine zweite Runde muss, um sein Amt als Bürgermeister zu verteidigen. Er braucht eine absolute Mehrheit, erhielt aber nur 38-40 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Die in dem Wochenrückblick verwendeten analysierten Quellen bei Facebook sind einerseits mehrere pro-ukrainische Gruppen und Seiten, sowie eine Community aus Personen, die mit der Ukraine auf irgendeine Weise verbunden sind.

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