Russen in der Ukraine

Prinzipiell weiß es jeder, der im „Westen“ Verantwortung trägt – die OSZE sagte es, investigative Organisationen (InformNapalm ua.) sagen es, und nun legt eben auch der ukr. Geheimdienst Informationen auf den Tisch. Informationen, daß die rus. Armee im Donbass direkt mitmischt. Ein Angriff ist praktisch jederzeit möglich, aber eigentlich „fürchten“ wir (hier in der Ukraine) das seit April 2014. Es ist wie auf dem Maidan: die Erstürmung von Berkut wurde auch immer und immer wieder angekündigt und dann war doch nichts, bis… ja, bis zum 18. Februar… Möge uns (nicht nur in der Ukraine) ein rus. Angriff erspart bleiben!

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Schuldenschnitt der Ukraine

Gerade übersetze ich einen (etwas längeren) Artikel über den Schuldenschnitt der Ukraine. Dabei heißt es, daß die Ukraine neue Wege geht, die so noch nicht auf der Welt gegangen wurden. Die Bond-Halter bekommen für ihre abgeschriebenen Papiere andere Papiere, deren Einlösung allerdings an die BIP-Entwicklung gekoppelt sind. Wer sich ein bisschen mit Derivaten auskennt, hat vielleicht schon einmal etwas über „Tunnel-Derivate“ gehört (das sind so Dinger, die „wenn-dann-Bedingungen“ entsprechen; z.B. wenn der DAX innerhalb eines Bereichs von 10.000 und 12.000 Punkten bis zu Tag X bleibt, bekommt man für ein Derivat am Ende dessen Laufzeit Summe Y beim Einsatz von Summe Z; wenn der geannte Bereich unter- oder überschritten wird, gibt’s nix). So ähnlich funktionieren die Papiere, die bisherige Bond-Halter als Ersatz für ihre erlassene Schulden bekommen (bei einem BIP-Wachstum zwischen 3-4% und wenn es nominell über Summe X liegt, werden 15% dessen ausbezahlt, was über den 3% des BIP liegt; bei über 4% BIP-Wachstum gibt’s 40% dessen, was über 4% liegt; bei unter 3% gibt’s nix). Das ist mal eine interessante Novation…

Aus der Vormaidanzeit

Gestern kommentierte ich ausnahmsweise bei einer „Vor-Maidan-FB-Freundin“, die ich für ihr soziales Engagement schätze. Einer ihrer „FB-Freunde“ meinte dann zu meinem Kommentar in vollem ernst:

„die frage ist eigentlich: ist das GG nun gültig oder nicht (weil dann wäre es ein beweis das wir immer noch als besetzte gebietskörperschaft gelten!!) das problem – es gibt keine echten beamten mehr und alle gerichte sind inzwischen freiwilligengerichte auf zwischenmenschlicher basis.

sei übrigens froh dass du nur die russische propaganda abkriegst – gegen die nato-propaganda die durch alle monetärbelasteten medien durchkriecht ist das peanuts!!“

Prinzipiell könnte ich das unter „solche Spinner gibt es eben“ abhaken. Erschreckend finde ich es trotzdem, denn in dem Milieu (der „FB-Freundin“) finden sich des öfteren solche Vorstellungen. Offenbar entwickelt sich (oder besteht eine entwickelte) Subkultur der Ausgegrenzten und Vergessenen (gerne auch als Querfront bezeichnet). Die „Atomisierung“ der Gesellschaft trägt seltsame Blüten…

Kiew und der Krieg

Weil in der Ukraine die Binnenflüchtlinge nicht wirklich sichtbar sind und entweder privat oder „weit weg“ unterkommen, fällt das „Problem“ nicht sonderlich auf. Wenn ich durch Kiew gehe, habe ich auch nicht den Eindruck, daß es im Land Krieg gebe – will ich „etwas vom Krieg“ sehen, kann ich zu Stellen (Militärkrankenhäuser, Flüchtlingsheime, Sammelstellen für Flüchtlinge und/oder das Militär). Das Video geht über Kiew hinaus und zeigt, daß es auch anderswo ähnlich ist. Was wohl wäre, wenn in der Ukraine ein „größerer Krieg“ (nicht lokal begrenzt auf den Donbass) wäre und die Menschen nicht mehr innerhalb des Landes flüchten, sondern in die EU? An dieses Szenario darf man gar nicht denken…

Nationalstaat

Mir scheint, die Idee des Nationalstaats im ethnischen Sinne ist immer noch nicht überkommen. Daß sich die Ukraine mehr als politische Nation begreift, deren Grundlage gemeinsame Werte sind, als eine „ethnische Volksgemeinschaft“, ist offenbar schwer zu verstehen. Und eben diese (dämliche) Diskussion hintert auch eine wirkliche europäische Integration, denn die Idee „Europa“, welche der Europäischen Union eigentlich zugrunde liegt, basiert nach meiner Vorstellung darauf, eine Wertegemeinschaft der Völker in Europa zu bilden, um dem kriegserschütterten Kontinent endlich eine nachhaltige und langfristige Friedenszeit zu bescheren. Hier könnte die Europäische Union mehr von der Ukraine lernen statt das Land „belehren“ zu wollen.

Situationsvergleich – Deutschland und Ukraine

Würde Deutschland gerade ein anderer Staat sein und würde man über dieses Land so berichten wie z.B. über die Ukraine, müßte man angesichts der Bilder von brennenden Flüchtlingsheimen und einem Mob auf den Straßen behaupten, in diesem Land würden faschistische Kräfte walten und von dem Land ginge eine extreme Gefahr für den Weltfrieden aus. In der Ukraine, sobald irgendwo der „Rechte Sektor“ auftaucht, wird die Lupe auf solche Ereignisse gelegt und vor dieser „Gefahr“ gewarnt; in Deutschland könnte man das derzeit mindestens im gleichen Maß tun – passiert aber nicht.

Fußballrowdies und keine neue Revolution

Fußballrowdies und keine neue Revolution

Hatte heute in der Stadt zu tun und komme vorhin wieder und las als erstes die Frage, ob alles klar wäre, weil auf dem Maidan geschossen wurde. Nein, davon hatte ich nichts mitbekommen – es war nur auffällig Polizei da, wobei ich dachte, die wären wegen der Vorbereitungen zum Unabhängigkeitstag da. Ein etwas lustig aussehender Pulk (teils mit Motorradhelmen) „Soldaten“ ging dann zum Europäischen Platz. Die kamen dann auch bald wieder zurück und hatten eine kleine Gruppe „umzingelt“. Ich scherzte, daß es wohl „Gefangene“ seien. Aber offenbar spielt eine polnische Mannschaft in Kiew und das waren (wohl?) die Spieler, die geschützt wurden. Jedenfalls hing die Schießerei wohl mit dem Spiel zusammen: http://112.ua/kiev/ma-maydane-nezavisimosti-derutsya-ukrainskie-i-poltskie-fanaty-253257.html